Die vermutliche Selbsttötung einer 69jährigen Frau am 13. Dezember an Gleis 1 des Winsener Bahnhofs hat die Freien Winsener veranlasst, über mehr Sicherheit besonders bei durchrasenden Fernzügen nachzudenken. Anstoß gab auch eine junge Frau, deren Schwester selbst Zeuge des Unglücks war. Dabei geht es der parteiunabhängigen Fraktion im Stadtrat im wesentlichen um eine Verringerung des Gefährdungspotentials für die Tausenden von Winsenern, die täglich mit dem Metronom nach Hamburg pendeln und sich n i c h t das Leben nehmen wollen.
Auf ihrer Ortsbesichtigung kurz vor Weihnachten stießen die Freien Winsener auf einen nur teilweise von Eis und Schnee geräumten, rutschigen Bahnsteig. Die weiße Abstandslinie markierte den Sicherheitsbereich, der bei einem durchfahrenden Zug nicht betreten werden darf, nur unzureichend. Das Warnschild, neu angebracht, ist viel zu unauffällig und zu hoch angebracht, die quäkenden Lautsprecherdurchsagen, die vor einem durchrasenden Zug warnen sollen, sind für viele Fahrgäste unverständlich oder fallen auch mal ganz aus.
Wenn ein ICE mit 150 oder mehr km/h in nur 1,5 bis vier Metern Abstand zum oft vollen Bahnsteig vorbeischießt, erschrecken sich viele Bahnkunden immer aufs neue. Besonders gefährlich ist der starke Sog in Fahrtrichtung, der von dem durchrasenden Fernzug ausgeht, und der schon einmal einen auf der richtigen Seite der Linie abgestellten Koffer mit sich reißen kann.
Um die Gefährdungspotentiale für die Bahnreisenden zu reduzieren, machen die Freien Winsener vier Vorschläge für die Verbesserung der Sicherheit am Gleis, die sie mit Schreiben von heute auch der zuständigen Stelle der Bahn (DB Station und Service AG, Regionalbereich Nord) übermittelt haben:
1. Der Sicherheitsbereich vor der Bahnsteigkante muss durch eine viel bessere und deutlichere Markierung sichtbar gemacht werden (rot-weiß oder gelb-weiß, ggf. flächig schraffiert). Der enge Fußweg zwischen der Treppe zum Mittelbahnsteig und der Bahnsteigkante muss so ausgezeichnet werden, dass hier keiner stehen bleibt.
2. An der Lautsprecheranlage müssen technische Verbesserungen vorgenommen werden, damit die Warnhinweise von jedermann gut verstanden werden können. Die Warnschilder sind größer und besser sichtbar zu gestalten.
3. Das Bahnhofsgelände ist ab der Gebäudekante nach wie vor im Besitz der Bahn. Sie hat dort auch die Verkehrssicherungspflicht. Deswegen steht sie in der Verantwortung, den Bahnsteig rechtzeitig und ausreichend von Schnee und Eis zu befreien und muss offensichtlich noch mal eindringlich darauf hingewiesen werden.
4. Intensiv diskutiert bei den Freien Winsenern wird auch eine Reduzierung der Durchfahrtgeschwindigkeit der ICE durch den Winsener Bahnhof. Dies würde zwar zu einem Zeitverlust der Fernzüge führen, brächte aber viel mehr Reaktionszeit und weniger gefährlichen Sog an Gleis 1. Fraktionsvorsitzender Oliver Berten: „Eine Senkung der Durchfahrtgeschwindigkeit in Winsen würde zu einem Zeitverlust von rund 36 Sekunden führen, bezieht man Ashausen, Stelle, Maschen und Meckelfeld mit ein, braucht der ICE von Hannover vielleicht drei Minuten länger nach Hamburg. Ich finde, soviel Zeit muss sein, wenn es um die Sicherheit von Menschen geht!"
Toiletten dringendes Thema am Bahnhof
Bei ihrer Ortsbesichtigung mussten die Freien Winsener auch feststellen, dass die öffentlichen Toiletten im Bahnhof seit Monaten und immer noch „wegen Vandalismus" geschlossen sind. Ein echter Skandal, finden die unabhängigen Ratsmitglieder, da die Stadt dem Grundeigentümer allein für die Sanierung und den Betrieb der Toiletten einen Zuschuss von 50.000 Euro gezahlt hat. Oliver Berten: „Der Eigentümer kann sich hier nicht aus der Verantwortung stehlen, muss endlich in die Gänge kommen und gemeinsam mit den Pächtern im Bahnhof eine angemessene Lösung zu finden!"
Winsen (Luhe), 30. Dezember 2009