Der gestrige Beschluss des Kreisschulausschusses, dass Realschüler aus Pattensen, Scharmbeck, Grevelau, Gehrden und Hoopte zukünftig in Stelle zur Schule gehen sollen, wird auf den vehementen Widerstand der Freien Winsener stoßen. „Die Einrichtung solcher Schuleinzugsgebiete für weiterführende Schulen ist ein Zwangsinstrument aus den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, um die Folgen einer verfehlten Schulpolitik des Landes auszugleichen", stellte Oliver Berten, Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und Kreistagsabgeordneter fest: „Jetzt sollen Winsener Schüler und Eltern ausbaden, dass es in Niedersachsen vor dem Hintergrund zukünftig sinkender Schülerzahlen miserable Rahmenbedingungen für den Erhalt von Sekundarstufe Eins Angeboten in mittelgroßen Gemeinden wie Stelle gibt."
Nach der Sitzung des Kreisschulausschusses am Nachmittag im Kreishaus kamen noch am Abend Fraktion und Vorstand der Freien Winsener in Hoopte zusammen, um über die Folgen der IGS-Ansiedlung für die bestehenden Winsener Schulen zu beraten. Da der Landkreis bei zukünftig sinkenden Schülerzahlen wohl kaum noch ein komplett neues Schulgebäude bauen kann, muss er die neue IGS im Gebäude einer der beiden Winsener Realschulen ansiedeln, von denen sowieso viele der Schüler für das neue, integrierte Schulangebot in Winsen kommen werden. Da der Standort Roydorf deutlich kostengünstiger ist, bleibt wohl nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen und die Realschule Roydorf auslaufen zu lassen. Oliver Berten: „Die Realschule Roydorf leistet seit Jahren hervorragende Arbeit - jetzt hoffen wir, dass sich das große Engagement von Lehrern und Eltern nahtlos auf die von unten nachwachsende neue Schulform überträgt."
Dagegen wollen die Freien Winsener keinesfalls zulassen, dass Winsener Schüler aufgrund der geplanten Schuleinzugsbezirke zukünftig nach Stelle zur Auffüllung des dortigen Schulraums gefahren werden. „Wirtschaftliche Überlegungen dürfen nicht den Elternwillen aushebeln", macht Ratsmitglied Iris Winklareth, bildungspolitische Sprecherin der Freien Winsener, klar: „Eltern und Kinder in Hoopte, Pattensen, Scharmbeck, Gehrden und Grevelau darf das Recht der freien Schulwahl nicht genommen werden. Sie müssen selbst frei entscheiden können, ob sie zukünftig die Schule in Stelle oder die Eckermann-Schule in Winsen besuchen wollen."
Natürlich wollen die Freien Winsener das Schulangebot in der Nachbargemeinde Stelle genauso erhalten wie alle anderen Beteiligten. „Aber nicht durch Zwang, sondern durch kollegialen Wettbewerb und gezielte Profilbildung der Schulen", betont Iris Winklareth. Dass man jetzt in Stelle gemeinsame Klassen von Haupt- und Realschülern und ein Ganz-tagesangebot plane, sei genau der richtige Weg. „Wenn die Schule ihr großes Potential ausschöpft und zum Beispiel eine echte Ganztagsschule wird, bin ich sicher, dass sie auch in Zukunft eine gute Chance hat. Voraussetzung ist allerdings, das alle Schüler im Landkreis jenseits von bürokratischen Regelungen die Möglichkeit haben, neue Angebote in Stelle wahrzunehmen - freiwillig natürlich!"
Dem Kreistagsabgeordneten Oliver Berten geht es auch darum, grundsätzliche Lösungen für die mittelgroßen Schulstandorte im Kreis Harburg zu finden: „Jesteburg, Rosengarten, natürlich die Elbmarsch, jetzt auch Stelle - überall in lebendigen Gemeinden mit rund um 10.000 Einwohnern stehen die Schulangebote für die 5. bis 10. Klasse auf der Kippe bzw. sind gar nicht vorhanden. Verschwindet die Schule, verschwindet auch aber auch die Bin-dung der Schüler an den Ort und an seine Vereine. Hier muss das Land endlich grünes Licht für die Schaffung von jahrgangs- und schulformübergreifenden Bildungsangeboten geben, die auf Dauer Bestand haben, statt auf Drei-, Vier- oder Fünfzügigkeit und dem dreigliedrigen Schulsystem nach altem Muster zu bestehen."