1. Wie hat sich Winsen aus Ihrer Sicht in den vergangenen
vier Jahren entwickelt? Was war gut, was schlecht?
„Der Aufbau eines flächendeckenden Bildungs- und Betreuungsangebotes für Kinder unter drei und Schulkinder hat uns einen kräftigen Schub nach vorne gebracht. Wer hätte vor den letzten Wahlen daran geglaubt, dass es in Winsen mal Krippenplätze für alle und an jeder Grundschule ein Hortange-bot geben wird? Auf der anderen Seite hat die CDU lange gebraucht, bevor sie ihren Widerstand ge-gen die von den Eltern gewünschte Ansiedlung einer Integrierten Gesamtschule in Winsenaufzuge-ben, während SPD und Grüne mit allen Mitteln versuchen, den FOSD in Winsen zu verhindern - eine von Bürgern getragener Präsenzdienst, der zu mehr Sicherheit in einigen Problemzonen der Innenstadt beitragen kann. Die beiden Parteien rechts und links von uns handeln aus ideologischen Gründen. Da-gegen sind wir Freien Winsener gerne bereit, an anderer Stelle erfolgreiche Beispiele zu übernehmen, uns fehlen halt parteipolitische Scheuklappen."
2. Wie sieht es mit der Innenstadt aus?
„Auch in der Innenstadt mischen sich gute und nicht so gute Tendenzen. Das neue Südertor hat die richtige Dimension für den Stadtkern; die neuen Handels- und Dienstleistungsflächen dort sind eine Bereicherung für die City. Ein richtiger Schritt nach vorne wäre eine anspruchsvolle kommerziell-kulturelle Nutzung des ehemaligen Neukaufgeländes - aber eben keine Geiz-ist-geil-Märkte, von de-nen wir in Winsen wahrlich schon genug haben. Insgesamt ist die Innenstadt besser als ihr Ruf, könn-te aber noch erfolgreicher sein: Was wir hier brauchen, sind noch mehr Qualität bei Handel und Woh-nen, bezahlbare Ladenmieten und mehr hochwertige Aufenthaltsqualität."
3. Eines der wichtigsten Bauvorhaben ist die Umgehung
für Luhdorf und Pattensen. Wie geht es dort weiter?
„Die Detailplanung ist in Arbeit, jetzt sind Kreis und Land in der Pflicht, ihre Finanzierungsanteile zu übernehmen, damit es in 2011 endlich losgeht. Dabei dürfen Fördermittel nicht nach Gutsherrenart vergeben werden, sondern nach transparenten Kriterien. Was wir Freien Winsener jedoch nicht wol-len, ist, die Menschen in Luhdorf und Pattensen auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu vertrösten, wenn die Gelder von außen ausbleiben. Notfalls muss die Stadt die Finanzierung alleine stemmen."
4. Wie geht es mit den Kreisverkehrs-Prioritätenliste in Winsen weiter?
„Wegen der schwierigen Haushaltslage mussten wir in diesem Jahr auf den Bau eines Kreisels ver-zichten. Im kommenden Jahr steht jetzt ein Kreisverkehr an der großen Kreuzung bei Wolperding auf der Agenda. Den wollen wir auch, möchten aber einen Kreisel am Bahlburger Kreuz vorziehen - aus unserer Sicht hat es dort genug Unfälle und Tote gegeben."
5. Welche Entwicklungen sind für Winsen in den
kommenden Jahren wünschenswert?
„Wir Freie Winsener wollen eine Stadtentwicklung, die sich an der Realität und den tatsächlichen Po-tentialen unserer Stadt orientiert. Mit anderen Worten: Winsen ist eine schöne und in 800 Jahren ge-wachsene Kleinstadt südlich von Hamburg und damit eine echte Alternative zum Leben in der Groß-stadt. Wenn wir dafür sorgen, dass die Bildungs-, Betreuungs- und Freizeitstrukturen stimmen, wenn man bei uns gut bauen und wohnen kann, wenn man bei auch ohne Auto einkaufen kann, was man täglich braucht und eine gute gesundheitlich Versorgung besteht, ist schon eine Menge geschafft. In unseren Wohngebieten muss ein Kind draußen spielen können, ohne gleich totgefahren zu werden. Auf unseren Straßen und Plätzen muss man sich sicher fühlen können - auch nachts. Und in Winsen muss man alt werden können, ohne Angst vor fehlender Hilfe und liebloser Pflege."
6. Wann beginnt Ihr Wahlkampf für die Wahl 2011?
Welche Schwerpunkte setzten Sie dort?
„Der eigentliche Wahlkampf beginnt erst wenige Wochen vor der Wahl - wir wollen die Bürger ja nicht nerven. Zur Zeit suchen wir noch einige Winsenerinnen und Winsener aus allen Ortsteilen, die für uns für den Stadtrat kandidieren wollen. Die Listen werden wir dann im November aufstellen, und dann gemeinsam mit allen Kandidaten die Schwerpunkte festlegen."