Sehr geehrte Damen und Herren,
aus Anlass einer Selbsttötung am 13. Dezember 2009 haben wir am 22. und 23. Dezember 2009 den Winsener Bahnhof einer eingehenden Ortsbesichtigung unterzogen. Dabei sind uns insbesondere am Bahnsteig zu Gleis 1 (Fahrtrichtung Hamburg) folgende Mängel aufgefallen, auf die wir Sie hier aufmerksam machen:
- Unzureichende Markierung des bei durchfahrenden Zügen Sperrbereichs zur Bahnsteigkante (weiße Linie),
- mangelhafte akustische und visuelle Warnhinweise auf durchfahrende Züge sowie
- mangelhafter Winterdienst (nur teilweise Räumung von Eis und Schnee = rutschige Ein- und Ausstiegszone).
Ferner teilen wir schon seit langer Zeit die Sorge, dass das hohe Tempo durchrasender Fernschnellzüge (ICE und IC) den Bahnkunden zuwenig Reaktionszeit läßt und einen gefährlichen Sog erzeugt.
Wir bitten Sie daher eindringlich, kurzfristig folgende vier Verbesserungen in Ihrem Zuständigkeitsbereich durchzuführen, um die Gefährdungspotentiale für die Bahnreisenden zu reduzieren:
1.
Der Sicherheitsbereich vor der Bahnsteigkante muss durch eine viel bessere und deutlichere Markierung sichtbar gemacht werden (rot-weiß oder gelb-weiß, ggf. flächig schraffiert). Der enge Fußweg zwischen der Treppe zum Mittelbahnsteig und der Bahnsteigkante muss so ausgezeichnet werden, dass hier keiner stehen bleibt.
2.
An der quäkenden Lautsprecheranlage müssen technische Verbesserungen vorgenommen werden, damit die Warnhinweise von jedermann gut verstanden werden können. Die Warnschilder sind größer und besser sichtbar zu gestalten.
3.
Das Bahnhofsgelände ist ab der Gebäudekante nach wie vor im Besitz der Bahn. Sie hat dort auch die Verkehrssicherungspflicht. Bitte tragen Sie daher Sorge, dass der Bahnsteig rechtzeitig und ausreichend von Schnee und Eis zu befreit wird. Im Anhang füge ich ein Foto vom Zustand des Bahnsteiges am 23. Dezember 2009 bei.
4.
Die Durchfahrtgeschwindigkeit der Fernzüge durch den Winsener Bahnhof - sicher auch in den Nachbarhaltepunkten Ashausen, Stelle, Maschen und Meckelfeld - muss auf ca. 80 km/h reduziert werden. Der Zeitverlust beträgt pro Bahnhof 30-45 Sekunden, insgesamt laufen die Züge in Hamburg-Harburg dann ca. drei Minuten später ein - ein vertretbarer Nachteil für mehr Sicherheit an der Bahnsteigkante. Sollte mit dem geplanten Bau des 3. Gleises bzw. 4. Gleises auf der besagten Bahnstrecke eine Durchfahrt der Fernzüge auf einem - keinen Bahnsteig tangierenden - Mittelgleis möglich werden, kann dann wieder auf die jetzige Durchfahrtgeschwindigkeit zurückgekommen werden.
Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass wir uns dieses Themas annehmen. Es sind ca. 3.000 Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, die täglich mit der Bahn nach Hamburg pendeln.
Bitte bestätigen Sie den Eingang des Schreibens und teilen Sie uns mit, ob und welche Maßnahmen Sie durchführen werden.
Herzlichen Dank im Voraus!
Mit freundlichen Grüßen
Oliver Berten
Fraktionsvorsitzender