„Wer kämpft, kann verlieren - wer nicht kämpft, hat schon verloren!" Mit diesen klaren Worten tritt Mathias Seidel, Stöckter Ratsherr und Vorsitzender der Freien Winsener, entschieden der FDP-Polemik entgegen, mit der Klage gegen die NEL würden Steuergelder „verpulvert". Rund 10.000 Euro, so Aussage der Anwälte, soll die An-fechtung des Planfeststellungsbeschlusses vor dem Verwaltungsgericht kosten - gut angelegtes Geld, wie Mathias Seidel betont: „Haben nicht auch alle geglaubt, dass eine hochentwickelte Industrienation wie Japan seine Atomkraftwerke im Griff hat? Offensichtlich sind gewisse Restrisiken nicht beherrschbar - auch nicht bei einer Erdgaspipeline, die bei 1,40 Meter Durchmesser und 100 bar Druck ebenfalls ein gigantisches Zerstörungspotential in sich birgt."
Es ginge überhaupt nicht darum, die NEL insgesamt zu verhindern, stellt Matthias Hüte, Sprecher der Freien Winsener im städtischen Planungsausschuss, klar. Vielmehr komme es darauf an, dass bei dem unkalkulierbaren Restrisiko eine klare Abstandsgrenze zur Wohnbebauung eingehalten werde, die für geschlossene Bebauung 400 und Einzelhäuser mindestens 200 Meter beträgt. „Diese Abstandsregel muss für ganz Winsen von Hoopte bis Bahlburg gelten" fordert Matthias Hüte - und dennoch sei auf Stadtgebiet eine Alternativtrasse im freien Feld möglich, die aufgrund ihrer größeren Länge dem Riesenkonzern EON jedoch teurer zu stehen käme.
Die Freien Winsener sehen keine schlechten Erfolgschancen für das Verfahren, wenn im Prozess das Restrisiko benannt und klar gemacht wird, dass eine Alternativtrasse zur Verfügung steht, die jedoch nicht ausreichend geprüft wurde. „Die Einseitigkeit der Regierungsvertretung Lüneburg im Raumordnungsverfahren wird sich vielleicht genau an dieser Stelle rächen", hofft Fraktionsvorsitzender Oliver Berten: „Den Versuch ist es allemal wert."
Oliver Berten appelliert an die FDP, die Angst der Bürger vor technischen Katastrophen endlich ernst zu nehmen und zu akzeptieren: „Selbst wenn es einen Beweis gäbe, dass niemals Gas aus der Leitung austritt, würde ich trotzdem immer gegen die Verlegung einer Hochdruck Pipeline durch ein Wohngebiet kämpfen. Die Angst vor einer technischen Katastrophe wird sich massiv negativ auf die Lebensqualität und den Immobilienwert dort niederschlagen. Wer kann denn noch ruhig schlafen oder seine Kinder auf die Straße las-sen, wenn er weiß, dass nur ein paar Schritte entfernt Tag und Nacht riesige Mengen extrem komprimierten explosiven Gases in rasantem Tempo durch eine gigantische Stahl-
röhre getrieben werden? Eine wenige Millimeter dünne zusätzliche Plastikhülle und 20 Zentimeter mehr Bodentiefe wird jedenfalls kaum zur Entspannung der betroffenen Bürger in Stöckte und Laßrönne beitragen."
- Winsen (Luhe), 13. März 2011 -